Stellungnahme zu den in Kiew festsitzenden Babys nach Leihmutterschaft

In Österreich bekräftigen die Angehörigen der Gesundheitsberufe, die durch die Situation der in Kiew durch Leihmutterschaft geborenen Babys alarmiert sind, die Notwendigkeit, die Leihmutterschaft abzuschaffen.

Stellungnahme zu den in Kiew festsitzenden Babys nach Leihmutterschaft

 

Als klinische und Gesundheitspsychologin und Psychotherapeuin arbeite ich seit Jahren mit Familien während und nach assistierter Reproduktion und publiziere regelmäßig zu diesem Themenbereich[1]. Fokus dabei ist, den Kindern und ihren Eltern davon unbelastete Familienbeziehungen zu ermöglichen. Meine KollegInnen und ich sind im klinischen Alltag mit Auswirkungen der unterschiedlichen reproduktionsmedizinischen Praktiken konfrontiert, die großteils aus guten Gründen in Österreich nicht legal, aber im Ausland unreflektiert und aus wirtschaftlichen Interessen praktiziert werden.

 

Leihmutterschaft birgt auch ohne Restriktionen, wie sie in der jetzigen CoViD 19-Pandemie gesetzt wurden, potentielle Konfliktfelder und massive Belastungen für die betroffenen Kinder. Es handelt sich um eine Praxis, die die Persönlichkeitsrechte und emotionalen Bedürfnisse eines Kindes weitgehend außer Acht lässt.

 

Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention handelt es sich bei der kommerziellen Leihmutterschaft um Kinderhandel. Ein Kind wird ab der Zeugung zur Ware und als Gegenstand eines Handels gesehen, bezahlt wird großteils bei Lieferung. Wenn ein Kind nicht den Vorstellungen der Bestelleltern entspricht, wird es nicht übernommen, wie zahlreiche internationale Beispiele zeigen.

 

Dazu die Präsidentin des BÖP, Ao. Univ. Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger:

„Wie sehr Leihmutterschaft für Agenturen  ein globaler,  sehr lukrativer Markt  ist, in dem „Outsourcing“ von Schwangerschaft und Geburt als  Geschäftsfeld dienen,  , macht die beklemmende Misere der infolge von  Corona – Reiseverboten  „gestrandeten“  Babys einmal mehr  deutlich. Ein Verbot dieses „Frauenkörper ausbeutenden  Handels “ bleibt daher wichtig!

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) setzt sich klar dafür ein , die zentrale, emotionale  Dimension aller Facetten der Reproduktionsmedizin  deutlicher in den Fokus zu rücken und psychologische Beratung und Begleitung  von Anfang an ernster zu nehmen.“

Auf emotionaler Ebene ist die sofort nach der Geburt vorgenommene Trennung zwischen austragender Mutter und Baby belastend für beide. Dieser Schritt erfolgt, trotz des Wissens, um die große Bedeutung der vorgeburtlichen Mutter-Kind-Beziehung. Bei der Leihmutterschaft werden alle Erkenntnisse über die physiologische und psychodynamische Bedeutung der Prä- und Postnatalzeit bagatellisiert und dem Kind eine geplante und hoch bezahlte Zäsur in seiner Entwicklung und oftmals auch eine Leerstelle in seiner Genealogie zugemutet.

Von der Leihmutter wird erwartet, keine emotionale Bindung zu ihrem Kind aufkommen zu lassen. Einzelfälle, die in Medien nur positive Aspekte betonen und vorgeben, dass diese Vorgänge partnerschaftlich ablaufen, können nicht ausblenden, dass es im großen Stil um die Ausbeutung von Frauen, den Leihmüttern, deren Familien und Kindern geht, die oft monatelang von ihren Müttern getrennt werden, und großteils keine Informationen über die Vorgänge in ihrer Familie erhalten. Der Befindlichkeit der Leihmütter nach der Geburt und den Auswirkungen auf deren Kinder und Partner wird nur wenig Beachtung geschenkt.

Da es immer wieder Bestrebungen gibt, das Verbot der Leihmutterschaft in unserem Fortpflanzungsmedizingesetz zu relativieren, möchte ich festhalten, dass dieses Verbot gerechtfertigt ist und den Kinder- und Menschenrechten entspricht, die über dem verstehbaren Wunsch nach Elternschaft stehen.

Bei diesem Thema geht es nicht um liberale, konservative, fortschrittliche oder religiöse Werte, sondern um die Bedürfnisse und Rechte der zukünftigen Kinder (Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung, Recht auf leibliche Eltern, körperliche Unversehrtheit etc.), der austragenden Mütter und deren Familien. Diese sind vor die nachvollziehbaren, drängenden Bedürfnisse der Kinderwunschpaare zu stellen.

 

 

Dr. Karin J. Lebersorger

Klinische und Gesundheitspsychologin, Psychoanalytikerin

Institut für Erziehungshilfe, Down-Syndrom-Ambulanz Wien

Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit

 

 

www.stoppt-leihmutterschaft.at

[1] Lebersorger, Karin J. (2020): (Start)Hilfe für das Baby 5.0. Eltern-Kleinkind-Psychotherapie mit Familien nach medizinisch assistierter Reproduktion. In: Lebersorger, Karin J., Sojka, Georg, Zumer, Peter (Hrsg., 2020): Herausforderung Kind. Ambulante institutionelle psychodynamische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie. Frankfurt am Main: Brandes & Apsel, 175 – 188.

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